Metalltechnik-Schinko: Frauenpower seit mehr als 15 Jahren

NEUMARKT/MÜHLKREIS. Beim Mühlviertler Verkleidungs- und Gehäusetechnik-Spezialisten arbeiten überraschend viele Frauen in typischen Männerberufen.

Am 8. März ist Weltfrauentag. Doch beim Verkleidungs- und Gehäusetechnik-Spezialisten Schinko GmbH in Neumarkt im Mühlkreis ist eigentlich das ganze Jahr „Frauentag“. Denn überraschend viele Mitarbeiterinnen stehen dort in Berufen, die technisch geprägt sind, ihren Mann. Obendrein gibt´s gute Einstiegs-, Umstiegs- und Aufstiegschancen. Vom weiblichen Schlosserlehrling über die Blechtechnik-Spezialistin, Monteurin, Konstrukteurin bis hin zur Betriebslogistikerin, die wie selbstverständlich mit dem Stapler fährt: 23 der derzeit 139 Schinko-Mitarbeiter*innen sind weiblich – und das in einer Altersspanne von 16 bis 57 Jahren. Überdies werden seit mehr als 15 Jahren dort Frauen in technischen Berufen ausgebildet. „Wir haben tolle Jobs und sind nicht auf den Mund gefallen“, sagen die „Schinko-Ladies“.

„Es ist cool, als Frau in einem Metalltechnik-Unternehmen zu arbeiten“, sagt die 21-jährige Staplerfahrerin Jacqueline Höblinger, Facharbeiterin in der Schinko-Betriebslogistik. Es fühle sich schon gut an, sagen zu können, man arbeite in der Technik und nicht einfach nur im Büro, ergänzt die 33-jährige technische Konstrukteurin Renate Innendorfer, die am Computer etwa 3D-Drucker „einkleidet“. Aber auch Fotoboxen tragen ihre Design-Handschrift. „Eine steht in Amsterdam“, sagt Innendorfer. Fliegt sie ab Wien in die Welt, freut sie sich über Infoterminals, die sie zuvor am Computer entworfen hat.

Beide „Schinko-Ladies“ haben als Lehrling dort angefangen. Gar nicht wenige kraxeln die Karriereleiter nach oben. „Wir bilden seit mehr als 15 Jahren Frauen in sogenannten Männerberufen aus“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Gerhard Lengauer. Auch Schlosser-Lehrling Natascha Voit (17) aus Lasberg steht im dritten Jahr ihrer Ausbildung voll hinter ihrer Berufsentscheidung. Sich zu trauen, dabei habe das „Schnuppern“ bei Schinko geholfen, sagt sie. Nachher habe sie sich bewusst gegen den Einzelhandel und gegen einen Bürojob entschieden.

Aber auch Einsteigerinnen und Umsteigerinnen in fortgeschrittenem Alter werden bei Schinko Chancen geboten. „Wegen des Verdiensts und wegen der Arbeitszeit“ sei sie zu Schinko gekommen, sagt Maria Kastler (53), die früher im Handel tätig war. Jetzt ist sie in der Gehäuse-Vorfertigung und hat ab Freitag Mittag das Wochenende für sich, was sie als Verkäuferin nicht behaupten konnte. Auch auf dem Konto habe sich der Wechsel zu Schinko positiv niedergeschlagen, sagt sie.

Auch Daniela Breitenfellner (35) ist eine Umsteigerin. Die Mutter zweier Kinder, früher im Handel und in der Gastronomie, arbeitet nun in Teilzeit bei Schinko in der Kanttechnik: „Es ist faszinierend, was man aus Blech alles machen kann“, sagt sie. Auch Martina Reindl (40) hat nach der Kinder-Karenzpause die Gelegenheit genützt, die Branche zu wechseln und sich in die Schinko-Montage getraut. „Ich würde es sofort wieder machen“, sagt die Mühlviertlerin, die sich dort auch auf Reinraum-Technik spezialisiert hat. „Aber auf den Mund darf man nicht gefallen sein“, assistiert Kerstin Wansch (22), ihres Zeichens Metallbau- und Blechtechnikerin, die Schinko seit ihrer Zeit als Lehrling dort kennt und schätzt.

„Eigentlich haben wir an 365 Tage im Jahr Frauentag“, sagt Geschäftsführer Gerhard ­Lengauer. Maria Kastler, die umgestiegene frühere Verkäuferin, die heute mit den Schinko-Blechen auf Du und Du ist, fasst es für sich und die „Schinko-Ladies“ zusammen: „Es gibt gutes Geld, angenehme Arbeitszeiten und ein Arbeitsklima auf Augenhöhe.“