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Normalität im Ausnahmezustand

10.04.2020 — Beiträge

Normalität im Ausnahmezustand

Gerhard Lengauer zur Situation durch Corona

Seit 12. März 2020 gelten bei Schinko strenge interne Regeln zum Schutz vor Infizierung oder Ausbreitung des Corona-Virus. Dank dieser Maßnahmen läuft die Fertigung auch weiterhin uneingeschränkt weiter. Welche Vorkehrungen getroffen und Erfahrungen gemacht wurden, berichtet Geschäftsführer Gerhard Lengauer in einem Interview zur aktuellen Lage.

Wie ist die derzeitige Lage in der Produktion und im übrigen Unternehmen?
Indem wir sehr früh mit umfassenden internen Sicherheitsvorkehrungen auf die Corona-Situation reagierten, können wir nach wie vor unseren Aufträgen nachkommen und zu den vereinbarten Terminen ausliefern. Unsere Fertigung läuft in allen Bereichen. Nach über drei Wochen „Corona-Management“ ist so etwas wie eine neue Normalität im Ausnahmezustand eingekehrt. Sämtliche Maßnahmen – vom Homeoffice, den Hygienevorschriften, festgelegten Bewegungszonen bis hin zu neuen Formen der Kommunikation und geänderter Abwicklung bei Projekten – laufen stabil und werden von unseren Mitarbeiter*innen sehr toll eingehalten und umgesetzt. Derzeit gibt es auch keine neuen direkten oder indirekten Quarantänen in der Belegschaft.

Welche Maßnahmen wurden ab wann von Ihnen getroffen?
Ich informierte unsere Mitarbeiter*innen am 12. März ab 10.00 Uhr in Kleingruppen über das Inkrafttreten neuer Sicherheitsvorkehrungen im Unternehmen. Eine erste Liste umfasste 15 Punkte, von Homeoffice-Regelungen für Verkauf, Konstruktion und IT bis zu Anweisungen für die Bedienung von Türgriffen, Wasserhähnen und Tastaturen. Mir war wichtig, in persönlichen Gesprächen auf Fragen einzugehen und darzulegen, warum wir die Produktion weiter am Laufen halten möchten. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus gesellschaftlicher Verantwortung; dass die Lieferketten nicht unterbrochen werden und wir so unseren Teil dazu beitragen, damit die Grundversorgung gewahrt bleibt. Nun steht es an, diese Maßnahmen über viele Wochen aufrecht zu halten. Dabei erweist sich die Aufteilung der Fertigung auf zwei Schichten ohne Schichtübergabe als wesentlich. Die Maschinerie Schinko muss laufen, um die Maschinerie Österreich in Ganz zu halten.

Wie waren die Erfahrungen mit den Maßnahmen?
Die Mitarbeiter*innen reagierten sehr positiv darauf. So als ob sie auf eine klare Ansage gewartet hätten. Die Maßnahmen, die wir am 12. März am Vormittag  getroffen hatten, waren schon am Nachmittag, bzw. spätestens tags darauf darauf sämtlich implementiert. Das zeigt den außergewöhnlichen Zusammenhalt im Team. Über das Wochenende und in den darauf folgenden Tagen wurden die Maßnahmen noch verfeinert. Es hat auch geholfen, dass für alle Mitarbeiter*innen nur eine Ansprechpartner*in fixiert wurde. So konnten sehr schnell alle Informationen gebündelt und Fehlinformationen ausgeräumt werden. Anfangs gab es alle zwei bis drei Tage Gespräche mit dem Personal. Durch Gerüchte und Medienberichte waren viele Mitarbeiter*innen verunsichert. Mittels Informationsrunden konnten wir die Unsicherheit eindämmen.

Wie lange können Sie bei der aktuellen Versorgungslage noch fertigen?
Wir sind im ständigen Kontakt mit unseren Lieferanten. Die Versorgung ist derzeit vollends gesichert. Es kommt zu keinerlei Engpässen an Rohmaterial und Einbauteilen.

Wie sehr ist Schinko von den Restriktionen im Grenzverkehr mit Tschechien betroffen? Es gibt ja das Tochterunternehmen Schinko Metall s.r.o. in Budweis.
Das trifft uns wiederum massiv. Zunächst gab es erste Reisebeschränkungen, die dann zwischenzeitlich für Pendler wieder sehr gut geregelt waren. Seit 26. März null Uhr gelten aber verschärfte Einschränkungen der Reisefreiheit zwischen Tschechien und Österreich. Zwei unserer tschechischen Mitarbeiter*innen sind nun für mindestens drei Wochen durchgehend in Österreich, während wir auf neun weitere Arbeitskräfte aus unserem Nchbarland vorläufig verzichten müssen. Das sind gut 10 % des Personals in der Fertigung. Dank der sehr gleichmäßigen Verteilung der tschechischen Mitarbeiter*innen im Betrieb, konnten wir den Ausfall durch verschiedene Maßnahmen entsprechend kompensieren

Gibt es Erkenntnisse und Erfahrungen, die über die Situation hinaus wirken werden?
Sicher der Zugang zum Thema Hygiene. Als positiven Nebeneffekt haben wir derzeit überhaupt keine Infektionskrankheiten bzw. Krankenstände, wie im Übergang vom Winter ins das Frühjahr sonst üblich. Auch der Zugang zu Impfungen wird sich ändern. Bislang haben sich nur 10 % der Belegschaft gegen Grippe impfen lassen, gleich dem österreichischen Durchschnitt. Ich gehe davon aus, dass sich in Zukunft mehr unserer Mitarbeiter*innen dagegen impfen lassen werden. So können wir eine Herdenimmunität von 60 % erreichen. Es mutet dabei eigenartig an, einen Begriff wie Herdenimmunität zu verwenden, den wir bis vor drei Wochen gar nicht kannten. Noch etwas hat sich gezeigt: Das Thema Kundenbetreuung und Projektmanagement wird sich langfristig um das Videokommunikation etablieren. Wir lernen gerade, wie wir ohne persönliche Treffen neue Prototypen abnimmt und Projekte vom Kick off bis zum Abschluss rein digital abwickelt. Ich denke, das wird sich in Zukunft weiter festigen.